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Auszug aus: IWK, Heft 2/1999, S. 208 - 224 (ohne Anmerkungen) Die Zentralstelle der Arbeiter- und Soldatenräte der Regierungsbezirke in der Provinz Brandenburg während der Revolution 1918/1919Von Ingo MaternaNoch bevor die Revolution am 9. November 1918 mit Generalstreik, Massendemonstrationen, Abdankung der kaiserlichen Regierung und Proklamation der Republik in Berlin ihren entscheidenden Höhepunkt fand, erfaßte die revolutionäre Bewegung einige Orte der Provinz Brandenburg. Die Regierung hatte speziell für Berlin und seine Umgebung militärische Maßnahmen getroffen, um die Ausbreitung der revolutionären Welle, die von der Nordwestküste ausging und den Süden und Westen des Reiches seit dem 3. November bereits erreicht und überschwemmt hatte, zu stoppen und ein Übergreifen auf das politische Machtzentrum zu verhindern. Der Oberbefehlshaber in den Marken, Generaloberst Alexander von Linsingen, verbot am 7. November nachdrücklich, "Arbeiter- und Soldatenräte nach russischem Muster zu bilden". Im Zuge der revolutionären Erhebung hatten sich überall Räte zu ihrer unmittelbaren Leitung und weiteren Orientierung gebildet. Trotz der Verbote und Präventionen mußte der Regierungspräsident in Potsdam, Adolf von Massenbach, für den 8. November an das Reichsamt des Innern melden, daß in Trebbin "eine Maschinengewehr-Abteilung gemeutert" hätte und die "Zivilbevölkerung unruhig" sei. In Staaken legten 1.800 Arbeiter der Zeppelin-Werke die Arbeit nieder. Am Abend dieses Tages übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat in Perleberg die "militärische und behördliche Verwaltung" der Kreise West- und Ostprignitz. Der Landrat, Hartwig von Graevenitz, wurde seines Amtes enthoben. Hier formierte sich und agierte m. E. der erste Arbeiter- und Soldatenrat in der Provinz mit beachtlicher Energie und Initiative. In den AEG-Werken Hennigsdorf stellten 10.000 Arbeiter die Arbeit ein und übernahmen die Leitung der Fabriken. Am 9. und 10. November breitete sich die revolutionäre Erhebung in der gesamten Provinz aus, nicht nur in den Garnison- und Industriestädten, auch in den vielen kleineren Städten, Orten und Gemeinden. Überall entstanden Arbeiter- und Soldatenräte in unterschiedlicher politischer und sozialer Zusammensetzung und mit verschiedenartigen Zielsetzungen und Maßnahmen. Mit der Wahl des Berliner Vollzugsrates durch 3.000 Arbeiter- und Soldatenräte am Abend des 10. November entstand ein zentrales Organ, das nicht nur die Leitung der Berliner Räte übernahm, sondern auch provisorisch als Zentrale für die Räte Preußens und des ganzen Reiches galt bzw. diesen Anspruch erhob. Das Bestreben, die Tätigkeit der Arbeiter- und Soldatenräte zu zentralisieren und so "die politische Gewalt in den Händen der Arbeiter- und Soldatenräte der deutschen sozialistischen Republik" zu sichern, um die "Errungenschaften der Revolution zu behaupten und auszubauen sowie die Gegenrevolution niederzuhalten", wie es in der Vereinbarung zwischen dem Berliner Vollzugsrat und dem Rat der Volksbeauftragten über die staatsrechtliche Stellung beider Gremien vom 23. November 1918 hieß, kam auch in der Bildung von "Zentralstellen" oder "Zentralausschüssen" in den Kreisen, Regierungsbezirken und Provinzen zum Ausdruck. Die Vorstellung, daß "diese Aufgaben [ ] nur erfüllt werden [können] durch ein harmonisches Zusammenarbeiten aller Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands", und der Versuch, dieses durch Richtlinien und Vereinbarungen zu organisieren, kann aber auch als Ausdruck einer Strategie verstanden werden, alle allzu revolutionären Maßnahmen zu unterbinden, die - wie z. B. vom Arbeiter- und Soldatenrat in Brandenburg/Havel am 10. November gefordert - auf die "Rätemacht" und "die Wandlung Deutschlands zu einer wirklichen und wahrhaft freien sozialen Volksrepublik" hinausliefen. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 15.01.2001 |