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aus: IWK, Heft 4/1999, S. 467 f.

Abschiedswort in eigener Sache

Innerhalb weniger Monate zum zweitenmal erfährt diese Zeitschrift eine Zäsur. Seit längerem erwogen, wird ein Wechsel in der Herausgeberschaft nunmehr akut. Das vorliegende Heft des 35. Jahrgangs der IWK ist das letzte unter der gewohnten Ägide. Die Umstände verlangen es, die ärztlichen Ratgeber beharren darauf.

Der Verstand zeigt Einsicht in die Notwendigkeit. Schlagen die Zeitläufte eine schärfere Gangart ein, sagt er sich, spricht ohnehin manches dafür, Verantwortung in jüngere Hände zu legen. Altbewährtes ist gut, ein frischer Impuls im Regelfall besser. Der Verstand thront eben in kühler Majestät über den Dingen.

Das ungebärdige Herz jedoch revoltiert, und wer schon wollte es ihm verargen. IWK - dreieinhalb Jahrzehnte hat es für dieses Kürzel geschlagen. War beteiligt, als das erste Konzept entstand. Hat die Stimmen der Skepsis verstummen gehört, die dem Neuling ein baldiges Ende versprachen. Ist ihm auch in Zeiten der Fährnis ein zuverlässiger Begleiter gewesen - fünfunddreißig Jahre lang, ein halbes Menschenalter hindurch. In Stunden des Abschieds ein Hauch von Wehmut zumindest ist ihm da wohl erlaubt.

Etwas mindert den Trennungsschmerz: das Bewußtsein, die Hinterlassenschaft in berufenen Händen zu wissen. Peter Steinbach ist dieser Zeitschrift - er bekannte es schon vor Jahren - emotional in starker Weise verbunden. Über die Qualifikation des Historikers zu reden, der zugleich Politikwissenschaftler ist, erübrigt sich - bis auf das eine: Peter Steinbach hat sich den Problemkreis der Arbeiterbewegung durch einen nicht alltäglichen Zugang erschlossen, den des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Diktatur. Wie nur wenige sonst weiß er daher um jenes verpflichtende Erbe, das sich in Wertmaßstäben manifestiert. Anstand auch in der Grenzsituation, kritischer Abstand gegenüber den idola fori, mögen sie sich als noch so übermächtig erweisen, Widerstand - wer hierin seinen Orientierungsrahmen erblickt, bietet Gewähr dafür, resistent zu sein gegenüber den Marktgängigkeiten auch des heutigen Tages.

Dem scheidenden Herausgeber obliegt es, eine immense Schuld abzutragen. Er erinnert sich dankbar all jener, die sich bereits im Vorfeld des Projekts für die Nützlichkeit eines solchen Unternehmens verbürgten. Zu danken hat er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ersten Stunde ebenso wie den Weggefährten der späteren Jahre. Dank gebührt den ungezählten Autoren, Dank den Mitgliedern des Beirats, Dank schließlich einem Leserstamm, der mit seiner gleichbleibenden Aufgeschlossenheit das Erscheinen der Zeitschrift gerechtfertigt hat und weiterhin legitimiert. An letzter, keinesfalls aber minderer Stelle sei parteiübergreifend einer Vielzahl von Vertretern Berlins in Politik und Verwaltung gedacht. Ohne ihr Verständnis für den historischen Stellenwert des Faktors Arbeiterbewegung und ohne die hieraus erwachsende Förderbereitschaft wäre die Herausgabe der IWK mutmaßlich Episode geblieben. Daß diese Bereitschaft anhält, steht für absehbare Zeit außer Frage.

Ein tragfähiges Fundament, ein Haus, das bestellt ist - nun heißt es, den Blick wieder nach vorne zu richten. Die Erfahrung lehrt Zuversicht. Menschen kommen und gehen, die Erde dreht sich weiter, gewiß. Doch die Aufgabe bleibt.

Herr Steinbach, übernehmen Sie.

Berlin-Dahlem, auf der Schwelle des Millenniums     Henryk Skrzypczak

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IWK-Redaktion E-Mail: info@iwk-online.de 15.01.2001