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Auszug aus: IWK, Heft 3/2000, S. 366 - 376 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Eine Episode aus dem Jahre 1909Die Beziehung von Alltagsleben und Politik in der russischen sozialistischen Emigration vor dem Ersten WeltkriegVon Jürg Ulrich[...] Wenn wir annehmen, daß jeder Mensch nicht nur seine privaten Anliegen mit sich trägt, sondern auch ein Ausdruck der auf ihn einwirkenden kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Kräfte ist, so ist die Korrespondenz zwischen Lev Davidovic Trockij, Lev Borisovic Kamenev und Vladimir Il'ic Lenin aus dem Jahre 1909 von vitalem Interesse. Diese Revolutionäre, die ihr Leben bewußt in den Dienst der Revolution und des Sozialismus stellten, waren dadurch gesellschaftlichen Zwängen besonders stark ausgesetzt. Sie nahmen einerseits in Kauf, sehr bescheiden leben zu müssen, andrerseits versuchten sie, organisierend auf die Arbeiterbewegung in Rußland einzuwirken. In den Kreisen der russischen sozialdemokratischen Emigranten bestimmte einerseits die Gesellschaftstheorie, andererseits das tägliche Leben in den Ländern, in die sie geflohen waren, die politischen Entscheidungen. Dies soll hier anhand einer kurzen persönlichen Korrespondenz zwischen den drei genannten Sozialisten gezeigt werden. Die Beziehung zwischen Politik und persönlichem Alltagsleben kann man daran nachweisen, weil einerseits fast gleichzeitig eine protokollierte Redaktionssitzung des "Proletarij", des theoretischen Organs des bolschewistischen Flügels der russischen Sozialdemokratie, stattfand, andererseits die ersten Nummern der "Pravda", einer sozialistischen Zeitung unter der Leitung Trockijs, herausgekommen waren. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 15.01.2001 |