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Auszug aus: IWK, Heft 4/2000, S. 499 - 517 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] "Brandenburg ist in unserer Bewegung das Pulverfaß ..."Die kommunistische Fraktionsbildung im Touristenverein "Die Naturfreunde" in der Region Berlin-Brandenburg zur Zeit der Weimarer RepublikVon Oliver KerstenIm Juni 1922 wies die Reichsfraktion der Arbeitersportler die Zentrale der KPD auf die nicht zu unterschätzende Bedeutung der Arbeitersportvereine hin. Der Arbeitersport gewann nach Ansicht der Reichsfraktion immer mehr an Bedeutung, nachdem die Rote Sportinternationale (RSI) in einem Schreiben an alle Sektionen der Kommunistischen Internationale mitgeteilt hatte, daß sie von der Exekutive der Komintern anerkannt worden sei. Schon aus diesem Grunde war die KPD nach Ansicht der Reichsfraktion der Arbeitersportler verpflichtet, ihr Augenmerk vermehrt auf den Arbeitersport zu richten. Doch bereits in der Anfangszeit der Weimarer Republik wurden einige Arbeitersport- und Arbeiterkulturorganisationen durch politisch begründete Spaltungsvorgänge erschüttert. Davon betroffen waren beispielsweise der Arbeitersportverein "Fichte" (ASV) in Berlin, der Arbeiter-Samariter-Bund und der Deutsche Arbeiter-Sängerbund. In besonders schwere Turbulenzen wurde der Touristenverein "Die Naturfreunde" (TVDN) in der Weimarer Republik gestürzt. Nachdem nämlich die Reichsregierung am 23. November 1923 die KPD verboten hatte (sie wurde erst am 1. März 1924 wieder zugelassen), strömten viele Kommunisten in den TVDN, um dort nicht nur ihre Zusammenkünfte abzuhalten, sondern auch den TVDN in ihrem Sinne zu "revolutionieren" und kommunistische Fraktionen zu schaffen. Die Folge waren Massenausschlüsse, die zunächst in der Auflösung des gesamten Gaues Brandenburg mit seiner dominierenden Ortsgruppe Berlin gipfelten. Das Schicksal der ausgeschlossenen Naturfreunde aus Berlin und Brandenburg wurde bisher erst ansatzweise erforscht. Klaus-Michael Mallmanns Aussage, daß die gezielte kommunistische Unterwanderung und Fraktionstätigkeit in Vereinen selten auftrat und "weitgehend eine Projektion des KPD-Feldherrnhügels" blieb, wirkt bei genauer Kenntnis der Vorgänge überzogen. Als Beleg für die "Vereinsidylle" dienen Mallmann u. a. die Naturfreunde. So hatte sich beispielsweise 1926 die KPD-Bezirksleitung im Ruhrgebiet darüber mokiert, daß die Naturfreunde in ihrer eigenen Welt lebten und die kommunistischen Vereinsmitglieder sich eher der Betrachtung von Gesteinsformationen hingaben, anstatt Fraktionsarbeit zu leisten. Das kann jedoch für den TVDN im Gau Brandenburg mit seiner starken Berliner Ortsgruppe nicht bestätigt werden. Anhand der Auswertung des hierfür relevanten KPD-Bestandes im Bundesarchiv Berlin, von Artikeln im "Vorwärts" und in der "Roten Fahne", der Vereinszeitschrift des ASV "Fichte" sowie des umfangreichen, jedoch stark verstreuten Schrifttums des TVDN einschließlich äußerst seltener Quellen aus der Ausschlußphase von 1924 bis 1926 lassen sich durchaus Anzeichen einer zunehmenden Politisierung durch eine entstehende kommunistische Fraktion belegen. Auch wenn ein Teil der kommunistischen Naturfreunde im TVDN in erster Linie das Wander- und Kulturangebot wahrnehmen wollte, so gab es ebenso "Hardliner", die zielstrebig die Fraktionsbildung zum Zweck der "Revolutionierung" des Vereins betrieben, auch wenn sie schließlich scheitern mußte. [...] Zur Geschichte der "Naturfreunde" ist bisher in der IWK erschienen:
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| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 31.08.2001 |