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Auszug aus: IWK, Heft 2/2001, S. 201 - 211 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen]

Max Habermann und der "Führerkreis" der Gewerkschaften

Von Peter Rütters

[...] Die folgende Skizze will vielmehr einen eher am Rande liegenden Aspekt der Debatte über den "Führerkreis" und seine Bewertung aufgreifen: in der einschlägigen Literatur besteht bislang keineswegs Einigkeit darüber, wer an diesem "Führerkreis" beteiligt war. Das muß nicht von besonderem Interesse sein und bräuchte nicht einmal irgendwelche Diskussionen anregen, wenn es sich dabei nicht um Max Habermann handelte. In einem Teil der einschlägigen Literatur wird er als Teilnehmer genannt, in einem anderen Teil nicht einmal erwähnt, ohne daß die jeweilige Entscheidung begründet wird.

Max Habermann war bis Mitte April 1933 neben Hans Bechly führender Repräsentant des nationalistisch-antisemitischen Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes (DHV), und bis zum letzten regulären Verbandstag des DHV im Juni 1932 galt er als zukünftiger Nachfolger des DHV-Verbandsvorstehers Hans Bechly. Die mögliche Teilnahme Habermanns am "Führerkreis" der Gewerkschaften verdient aufgrund seiner politischen Position und gewerkschaftlichen Funktion eine nähere Betrachtung und Erklärung, auch wenn - oder gerade weil - er seit Mitte der dreißiger Jahre mit Leuschner und Kaiser den Kern einer gewerkschaftlichen Widerstandsgruppe bildete, an den Vorbereitungen für den 20. Juli beteiligt, in den Plänen für den Gewerkschaftsaufbau "nach Hitler" für wichtige Funktionen (Bildungsarbeit, Jugendbildung, Angestellte, Finanzen) vorgesehen und neben Jakob Kaiser als einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden benannt war. Nach der Festnahme durch die Gestapo am 30. Oktober 1944 beging Max Habermann in der Haftzelle Selbstmord.

Zwei Aspekten soll im Folgenden nachgegangen werden: 1. Anhand der einschlägigen Literatur soll überprüft werden, ob über die Beteiligung Max Habermanns am "Führerkreis" Klarheit zu gewinnen ist. 2. Anschließend wird die Frage diskutiert werden, ob die Beteiligung Max Habermanns am gewerkschaftlichen Widerstandszirkel um Jakob Kaiser und Wilhelm Leuschner - und darin liegt die eigentliche Problematik, die mit seiner gewerkschaftsorganisatorischen Herkunft und seinen gewerkschafts- und gesellschaftspolitischen Positionen verbunden ist - auf eine Indifferenz dieses Widerstandskreises gegenüber antisemitischen Positionen hindeutet. [...]


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IWK-Redaktion E-Mail: info@iwk-online.de 28.11.2001