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Auszug aus: IWK, Heft 2/2002, S. 182 - 213 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] "Feindliche Elemente"Frühere KPD(O)-Mitglieder in KPD und SEDVon Jochen CernýIn Freundeskreisen und Widerstandsgruppen, die Naziterror und Krieg überdauert hatten, verständigten sich im Frühjahr 1945 Kommunisten über den Neuaufbau ihrer Partei. Das gilt auch für jene Berliner Genossen um Käthe Draeger und Heinz Krause, welche ab 1937 als vierte Inlandsleitung der KPD(O) gearbeitet hatten. Doch weder in diesem Kreis, der erstmals wohl im Juni zusammenkam, noch in anderen Zusammenkünften ging es darum, diese Opposition zu reorganisieren. Vielmehr beteiligten sich die meisten vormals Oppositionellen an der Neukonstituierung der KPD (die vielerorts ihrer Legalisierung durch die Besatzungsmacht vorausging), und manche von ihnen gehörten dabei zu den Initiatoren. Im Lager Buchenwald gab es am 12. April 1945 die wohl deutschlandweit erste Parteiversammlung nach der Befreiung, die hier mit einigem Recht Selbstbefreiung genannt wurde. Robert Siewert, Mitglied der ersten KPD(O)-Inlandsleitung, war im September 1938 in das KZ eingeliefert und dort sehr bald in das KPD-Aktiv aufgenommen worden. Ihm wurde nun die Leitung einer der Gruppen übertragen, die in den folgenden Wochen die antifaschistisch-demokratische Umwälzung in umliegenden Gebieten vorantrieben. Am 18. Mai traf seine "Gruppe Buchenwald" in Halle/Saale ein, und Siewert wurde Politischer Leiter des Parteibezirks Halle-Merseburg. Siewerts Einsatz ist ein herausragendes, aber keineswegs seltenes Beispiel für die Tatkraft vormaliger KPD(O)-Mitglieder. Viele betätigten sich ab April oder Mai 1945 in Antifa-Komitees, Gemeindeverwaltungen oder Betriebsräten und beteiligten sich am Wiederaufbau der KPD sowie der freien Gewerkschaften, so z. B. Erich Söchtig in Salzgitter. In Sachsen und Thüringen, wo die Opposition in den späten zwanziger Jahren die Unterstützung ganzer Ortsgruppen und die KPD(O) dann die Hälfte ihrer gesamten Mitgliedschaft hatte, kamen ihre bekannten Sprecher 1945 in lokale sowie regionale Leitungen der Partei sowie der Gewerkschaft, oder sie wurden Bürgermeister und Landräte. An der Neukonstituierung der KPD-Ortsgruppen waren in Jena Paul Brendel, in Zeulenroda Fritz Keller und in Weimar Hugo Günther maßgeblich beteiligt. Günther gehörte dann auch der Bezirksleitung an. Friedrich Gießner leitete ab April den Geraer Antifa-Ausschuß, ab Juni die Ortsgruppe der KPD und wurde bald darauf Bürgermeister. In Riesa gab Walter Kerstan den Anstoß zur Gründung des Antifa-Ausschusses und für die Neukonstituierung der KPD. Johann Reinhard, Oschatz, wurde vom sowjetischen Stadtkommandanten zuerst zum Bürgermeister und bald darauf zum Landrat ernannt. Reinhard Bauer arbeitete vom 9. Mai an im Zwickauer Antifa-Ausschuß und übernahm später den Kreisvorsitz im FDGB. In den für längere Zeit unbesetzten westsächsischen Gebieten führte Alfred Fedgenhäuer von Schwarzenberg aus die "Antifaschistische Bewegung", danach den KPD-Unterbezirk Aue, während Arthur Schreiber zunächst die von Bergarbeitern des Zwickau-Oelsnitzer Reviers geschaffene antifaschistische "Notgemeinschaft" leitete und dann ein Büro, das für den Kreis Stollberg bereits die Vereinigung von KPD und SPD vorbereitete. Den Absichten der Parteiführung entsprach das keineswegs. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 15.11.2002 |