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Auszug aus: IWK, Heft 2/2002, S. 141 - 181 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen]

Kommunistischer Widerstand in Leipzig 1943/44

Forschungsstand

Von Carsten Voigt

Der organisierte kommunistische Widerstand in Leipzig 1943/44 scheint auf den ersten Blick kein besonders ergiebiges Thema zu sein. Schließlich erschienen in der DDR zahllose Darstellungen über ihn, und gerade der Zeitraum 1943/44 wurde für Leipzig häufiger bearbeitet. Doch gilt hier, was Klaus-Michael Mallmann bereits vor einigen Jahren zum Forschungsstand resümiert hat: "Nach der Zahl der Veröffentlichungen zu urteilen, gehört der kommunistische Widerstand zu den am besten aufgearbeiteten Bereichen der NS-Zeit. Bei näherem Hinsehen aber entpuppt sich das Wissen um ihn als fragmentarisch."

In der Tat. Die erstmals erfolgte komplette Auswertung der NS-Justizakten und der noch vorhandenen Verhörprotokolle der Gestapo sowie zahlreicher Erinnerungsberichte ermöglicht eine Rekonstruktion der Geschehnisse, die von bisherigen Darstellungen in entscheidenden Punkten abweicht und zudem noch einige aus der Geschichte retuschierte Personen zutage fördert. Dabei richte ich meinen Blick gezielt auf die zentralen Akteure und kann in diesem Rahmen keinesfalls eine vollständige Geschichte des kommunistischen Widerstandes 1943/44 liefern. [...]

Obwohl bekannt ist, daß es Auseinandersetzungen innerhalb des Leipziger Widerstandes gegeben hat, sind diese noch nicht befriedigend analysiert worden. Bisher wurde davon ausgegangen, daß es zu einer Einigung zwischen den verschiedenen Gruppen gekommen ist, die zur Bildung einer einheitlichen Organisation führte. Jürgen Tubbesing geht davon aus, daß die Auseinandersetzungen auch nach der Gründung der Organisation des NKFD Leipzig weitergeführt worden sind, sich die Positionen zwar annäherten, "eine vollständige Vereinheitlichung" aber nicht stattgefunden habe.

Meiner Ansicht nach existierte aber weder eine einheitliche Organisation, noch kam es zu einer endgültigen Einigung zwischen den Gruppen. Eine regelrechte Gründung eines NKFD Leipzigs kann nicht nachgewiesen werden. Bisherige Datierungen wurden auf sehr unsicherer Quellenbasis vorgenommen. In diesem Zusammenhang spielt auch die Leitungsfrage eine Rolle. Tubbesing hat schon aufgezeigt, daß der Widerstand in Leipzig dezentralisiert agierte und daß es keine klare Leitung gab, auch nicht durch den "Dreierkopf Schumann-Engert-Kresse". Wie es aber dazu kam, daß der "Dreierkopf" zur Leitung erhoben wurde, soll im folgenden geklärt werden.

Eine zweiter Grund dafür, daß die Konflikte innerhalb des Widerstands bisher nicht befriedigend aufgearbeitet werden konnten, ist darin zu sehen, daß in der DDR zentrale Persönlichkeiten des Widerstandes marginalisiert wurden oder ganz verschwanden. So war bisher die Rolle eines der wichtigsten Männer des Leipziger Widerstandes, des Kammerjägers Rudolf Hardtmann, völlig unbekannt.

Bisher konnte auch noch nicht befriedigend geklärt werden, wie der Leipziger Widerstand von der Gestapo "aufgerollt" wurde. Wertvolle Ergebnisse in dieser Hinsicht brachten in den letzten Jahren Arbeiten von Ursel Hochmuth zum NKFD in Berlin-Brandenburg und vor allem Mallmanns Aufsatz über kommunistische V-Männer im Zweiten Weltkrieg.

Über Verbindungen der Leipziger Kommunisten zum Widerstand des 20. Juli 1944 wurde viel spekuliert. Erstmals kann hier eine Verbindung nachgewiesen werden. Bisher weitgehend ungeklärt waren die Zusammenhänge der Verhaftung von Kurt Roßberg und Karl Plesse, zwei wichtigen Akteuren des Leipziger Widerstandes, im September 1945. Sie werfen ein interessantes Schlaglicht auf die Konflikte innerhalb des Leipziger Widerstandes, die zum Teil auch nach dem Krieg noch ausgetragen wurden, sowie auf die Art des Umgangs mit einigen Widerstandskämpfern in der DDR. [...]


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IWK-Redaktion E-Mail: info@iwk-online.de 15.11.2002