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Auszug aus: IWK, Heft 1/2003, S. 52 - 72 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen]

Zwischen politischer Selbstbehauptung, Wahlfieber und Kooperation

Die politische Lage des Zentralausschusses der SPD zu Beginn der KPD-Einheitskampagne in Berlin und der SBZ im Frühherbst 1945 (Oktober / Anfang November 1945)

Von Matthias Loeding

Die Wennigsener Konferenz am 5. und 6. Oktober 1945 hatte die von Otto Grotewohl und Max Fechner erhoffte Rückendeckung ihrer westzonalen Genossen für ihre Politik hin zu einer gesamtdeutschen sozialdemokratischen Führung und zum reichsweiten Führungsanspruch der SPD nicht erbracht. Damit war der Versuch Grotewohls gescheitert, Kurt Schumacher in seine (organisations)politische Konzeption einzubinden, um konkurrierende SPD-Vorstände der Besatzungszonen zu verhindern und die politische Führungsrolle der SPD zu untermauern. Schumacher hatte sich diesem Anliegen aus persönlichen und strategischen Gründen versagt. Durch den hiermit eingeleiteten politischen Bruch zwischen der westzonalen SPD und der SPD in der sowjetischen Besatzungszone, der sich Anfang Februar 1946 endgültig vollzog, komplizierte sich die politische Lage für den Zentralausschuß (ZA) der SPD in Berlin nach Wennigsen erheblich. Schumacher hatte durch die Aufteilung der Zuständigkeits- und Interessenbereiche zwischen seinem Büro in Hannover und dem ZA in Berlin den gesamtdeutschen Anspruch des Zentralausschusses demontiert und dem von Otto Grotewohl im Frühherbst vertretenen Selbständigkeitskurs der SBZ-SPD schwer geschadet. Grotewohls Hoffnung, als Vertreter der gesamtdeutschen SPD nach Berlin zurückzukehren und politisch gestärkt Verhandlungen mit der KPD über einen Zusammenschluß der beiden Arbeiterparteien zu führen, war nicht in Erfüllung gegangen. Auch die Erwartung der sowjetischen Militärs, über den ZA Einfluß auf die Sozialdemokraten in den Westzonen und die allgemeine politischen Entwicklung im Westen Deutschlands zu gewinnen, war zu Fall gekommen. Die sowjetische Militäradministration und die KPD-Führung, die frühzeitig über die auch für sie ernüchternden Resultate der Wennigsener Zusammenkunft informiert waren, konnten sicher davon ausgehen, daß in absehbarer Zeit weder eine gesamtdeutsche SPD-Führung noch eine reichsweite SPD entstehen würde. Folglich konzentrierte die KPD ihre Bemühungen um eine Vereinigung mit der SPD auf die Sowjetzone als Vorbild für ganz Deutschland. Von seinen westlichen Parteigenossen allein gelassen, stand der ZA vor der Frage, wie die Zusammenarbeit mit der KPD in Berlin und der Sowjetzone weiter gestaltet werden sollte. Er mußte nach einer Lösung suchen, die es ihm erlaubte, Aufschub in der Vereinigungsfrage zu erlangen, um die Eigenständigkeit der SPD zu behaupten und "politische Handlungsfreiheit bis zur (Schaffung einer SPD)-Reichspartei" zu bewahren, ohne die Zusammenarbeit mit der KPD und die Einheitspartei gänzlich in Frage zu stellen. Der Zentralausschuß konnte dem Drängen der KPD, einer auf die Sowjetzone beschränkten Vereinigung zuzustimmen, dauerhaft nur begegnen, wenn er die Unterstützung Schumachers und der West-SPD zur Abhaltung eines Reichsparteitages erringen würde. [...]


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IWK-Redaktion E-Mail: info@iwk-online.de 16.07.2003