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Auszug aus: IWK, Heft 2/2003, S. 142 - 172 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Vom Glück, ein Kommunist zu seinMichael Hardt und Antonio Negri - zweisam "gegen den Strom"Von Henryk SkrzypczakEin Buch macht Furore, und so manch einer wird sich fragen warum. "Empire" - der Titel klingt nicht gerade thrillerverdächtig. In den Vereinigten Staaten zumal verlockt er mit Sicherheit keinen zur Konfettiparade. Empire ist "ein Wort, das wir scheuen", sagt Chalmers Johnson, und der Verfasser von "Blowback", der zeitgleich veröffentlichten Streitschrift über die Kosten und Konsequenzen des amerikanischen Imperiums, müßte es eigentlich wissen. Ist die manchenorts nachgerade euphorische Aufnahme des Buches von Michael Hardt und Antonio Negri also wohl eher dem Ansehen seiner Autoren geschuldet? Auch das wäre so recht nicht plausibel. Negri, während der siebziger Jahre in Padua Professor für Politikwissenschaft, hat später immerhin an der Sorbonne Philosophie gelehrt, Michael Hardt als Associate Professor Literaturwissenschaft an der Duke University in North Carolina. Bei allem Respekt, da bringt Chalmers Johnson an Reputation denn doch einiges mehr auf die Waage. Seine Verdienste als Wirtschafts- und Politikwissenschaftler, als Ostasienkenner, Chinaexperte und Japanspezialist sind unbestritten; ob in Berkeley oder San Diego - bei ihm saß der akademische Nachwuchs stets in der ersten Reihe. Von einer Resonanz jedoch, wie Hardt und Negri sie genießen, konnte er allenfalls träumen, was schließlich kein Wunder ist. Wer sich mit einem weltumspannenden Imperium und seiner Hegemonialpolitik anlegt, wird in den tonangebenden Kreisen nun mal nicht zu den Favoriten gezählt. [...] Das Manuskript transportierte Sprengstoff - seitenweis. In der Ära McCarthy mit ihrer Rotenhatz hätten Bruchteile davon ausgereicht, die Autoren unsanft beim Kragen zu nehmen. Unter Bill Clinton stieß ihr Text auf das wärmste Interesse; nicht etwa bei einem obskuren Verlagsunternehmen, nein, bei einer Firma mit Gütesiegel: Harvard University Press. Und nun kam alles zum guten Ende. Die internationale Geltungspresse zeigte sich angetan bis enthusiasmiert. "Empire füllt eine Lücke in den Humanwissenschaften", spendete die "New York Times" ihr Lob noch vornehm-verhalten. Der "Observer" sprach bereits von "einem großartigen politischen Entwurf", die "New Left Review" von einem "Werk visionärer Intensität", das die "Foreign Affairs" als eine "umfassende neomarxistische Vision der künftigen Weltordnung" identifizierte. "Literaturen" verwandte sich mit Nachdruck dafür, "Empire als ein probates Mittel gegen die neoliberale Depression sofort verschreibungspflichtig" zu machen. Durch "Le nouvel observateur" gar sahen sich Negri und Hardt als die "beiden Marx und Engels des Internetzeitalters" fast schon zur Ehre der Altäre erhoben. Bei soviel Eintracht im Sachverstand mochte die "Frankfurter Allgemeine" nicht mäkelnd beiseite stehen. "Die Autoren", rühmte das Blatt der frakturbewehrten Nachhaltigkeit, "wollen nichts weniger als Marx' Erzählung der Weltgeschichte fortsetzen und auf den neuesten Stand ... bringen. Das ist ihnen so gut gelungen, daß es auch einen überzeugten Nichtmarxisten ... erfreut". Geschehen wirklich noch Zeichen und Wunder? Zeichen vielleicht gerade noch, Wunder indessen würden sich unsere Autoren energisch verbitten. Gott nämlich ist tot, wie sie in beweiskräftiger Übereinstimmung mit Friedrich Nietzsche beteuern, und somit ist die Geschäftsgrundlage für Wunder entfallen. Auch mit transzendentalem Ersatz ist bei ihnen nicht das geringste zu wollen. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 28.11.2003 |