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Auszug aus: IWK, Heft 4/2003, S. 505 - 524 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Verräter an der Partei?Heinz Brandt und das Ostbüro der SPD 1956 bis 1958Von Knud AndresenDer "Träumer zwischen Ost und West" Heinz Brandt hat in den letzten Jahren größere Aufmerksamkeit erhalten. Galt Brandt in den siebziger Jahren noch als antistalinistischer Linker, der durch sein bewegtes und schicksalsträchtiges Leben den Kampf und die Hoffnung für einen undogmatischen, demokratischen Sozialismus repräsentierte, so ist in den letzten Jahren seine Rolle als Oppositioneller in der DDR in den Vordergrund gerückt. Dabei lag der Schwerpunkt auf Brandts Verhalten am 17. Juni 1953 und seiner Entführung in die DDR 1961. Gerade die Fokussierung auf den 17. Juni ist jedoch nur begrenzt geeignet, eine Oppositionsarbeit aufzuzeigen. Brandt war ein kritischer Funktionär innerhalb der SED, der am 17. Juni vor allem den "Neuen Kurs" der SED retten wollte und die Ereignisse als Tragödie bewertete, mit der ein Sturz Ulbrichts und so die Demokratisierung der DDR verhindert worden sei. Brandt verhielt sich in den Tagen des Aufstandes abwartend und versuchte, den Aufstand im Sinne einer Ulbricht-kritischen SED-Opposition zu kanalisieren. Ein endgültiger Bruch mit der SED erfolgte erst drei Jahre später, als Brandt regelmäßig das Ostbüro der SPD über die Entwicklung in der SED informierte. Das Ostbüro war 1946 als Verbindungsstelle für die illegale SPD in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet worden und wurde in den fünfziger Jahren zur Informationsquelle des Parteivorstands der SPD zur DDR. Dabei wurde auch mit nachrichtendienstlichen Methoden gearbeitet. Diese Verbindung Brandts soll im folgenden Artikel näher beleuchtet werden. Was waren seine Motive, diese hochgefährliche und im DDR-Verständnis illegale Verbindung einzugehen? Immerhin war das Ostbüro der SPD zu dieser Zeit für die Staatssicherheit "die 'konterrevolutionäre' Bedrohung schlechthin". Welche politischen, welche persönlichen Ziele verband Brandt mit dieser konspirativen Widerstandsarbeit? Es gibt zu dieser Verbindung in der Literatur bisher nur spekulative Annahmen, die auf Brandts sehr vagen Andeutungen in dieser Sache beruhen und zumeist eine dauerhafte Verbindung seit 1946 annehmen. Die Unterlagen des Ostbüros der SPD - soweit sie einsehbar sind - und Dokumente aus dem Nachlaß Siggi (Siegmund) Neumanns ergeben jedoch ein anderes Bild. Brandt stand erst seit November 1956 mit dem Ostbüro in Kontakt. Dieser Kontakt hielt bis zu Brandts Wegzug aus Berlin im April 1959. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 09.08.2004 |