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Auszug aus: IWK, Heft 4/2003, S. 479 - 504 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Anton ErkelenzEin Sozialliberaler in der SPD am Ende der Weimarer RepublikVon Axel Kellmann[...] Was könnte einen Politiker wie Erkelenz für uns heute interessant machen? Historiker, die sich mit der Geschichte der Weimarer Republik befassen, kennen ihn als Vorsitzenden des Vorstandes der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Mit dem Übertritt zur SPD war seine parteipolitische Karriere beendet. Doch er blieb ein Mann, der um Rat gefragt wurde, der als Journalist in republikanisch orientierten Blättern veröffentlichte und der sich auch in der SPD als streitbarer Geist erwies. Erkelenz besaß in dieser traditionsbewußten Partei, in der man zuerst die Ochsentour absolvieren muß, keine Hausmacht. Doch sein Name und seine Feder eröffneten ihm Einflußmöglichkeiten, und er war entschlossen, sie zu nutzen. Die Tatsache, daß er aus dem liberalen Lager kommend zur SPD stieß, sollte nicht dazu verleiten, ihn automatisch dem rechten Parteiflügel zuzurechnen. Als Anhänger eines sozial gezähmten Kapitalismus wandte er sich ab 1931 gegen die Deflationspolitik der Regierung Brüning und forderte eine aktivere Rolle des Staates bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, während der Marxist Rudolf Hilferding im Gegensatz dazu davon abriet, weil er inflationäre Entwicklungen fürchtete. Erkelenz gehörte neben Käthe Kollwitz und Heinrich Mann zu jenen Republikanern, die 1932 angesichts der drohenden nationalsozialistischen Machtübernahme für eine Zusammenarbeit von Kommunisten und Sozialdemokraten im Wahlkampf plädierten. Als Gewerkschafter setzte sich Erkelenz für eine Verschmelzung der liberalen und sozialdemokratischen Arbeitnehmervertretungen ein. Ein Quälgeist also, ein Querkopf, der sich nirgendwo einordnen konnte, oder jemand, der Themen ansprach, die heute noch aktuell sind, wie etwa die Frage, ob ein Abbau sozialstaatlicher Einrichtungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beiträgt? Ich möchte in diesem Aufsatz einen Politiker vorstellen, dessen Aktivitäten zwischen 1930 und 1933 geprägt waren von der Sorge um den Bestand der Demokratie in Deutschland, dessen Briefwechsel mit Rudolf Hilferding, Friedrich Stampfer oder Robert Bosch Einblicke vermittelt in die Gedankenwelt eines Mannes, der zwar keine Patentrezepte besaß, aber Anstöße gab, die vielleicht mehr Beachtung verdient hätten. Im ersten Teil werde ich das sozialliberale Politikverständnis von Anton Erkelenz erläutern, im zweiten Kapitel geht es um den Parteiübertritt, im dritten steht der Kampf gegen die Deflationspolitik von Heinrich Brüning im Mittelpunkt, und im letzten Teil meines Beitrages geht es um die Frage, ob Erkelenz eine realistische Alternative zur offiziellen Taktik der Parteiführung in der Schlußphase der Republik besaß. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 09.08.2004 |