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Auszug aus: IWK, Heft 4/2003, S. 446 - 478 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Von Krieg zu KriegZu den Beziehungen zwischen der Kommunistischen Internationale und den Sozialistischen Internationalen - eine ZwischenbilanzVon Ursula Langkau-Alex unter Mitarbeit von Milos Hájek und Hana MejdrováDie Kommunistische Internationale (Komintern) ging offiziell 1919 als Dritte (III.) Internationale aus der Zweiten (II.) Internationale hervor, die ihrerseits 1889 der 1864 gegründeten, doch bereits 1876 aufgelösten Ersten Internationale, der Internationalen Arbeiter-Assoziation, nachfolgte. Von Anfang an definierte die Komintern sich durch Abgrenzung von ihr und ihren sozialistischen Nachfolgern. Die Beziehungen zwischen den Internationalen über den Gesamtzeitraum von 1919 bis zum Mai 1940, dem Datum des praktischen Endes der 1923 aus Fusionen hervorgegangenen Sozialistischen Arbeiter-Internationale (SAI), sind erstaunlicherweise historiographisch schwach belichtet. Die Monographie von Julius Braunthal, die die Geschichte beider Pole teils in ihren Wechselbeziehungen, teils neben- bzw. nacheinander auf der Grundlage des um 1960 vorhandenen Materials behandelte, ist immer noch ein Standardwerk. Im Vordergrund des Forschungsinteresses an den Internationalen standen einerseits die jeweiligen Organisationen für sich, andererseits einzelne Zeiträume, Probleme der Ideologie sowie der Strategie und Taktik bezüglich Krieg, Revolution, Faschismus/Nationalsozialismus und Bündnispolitik - um nur die wichtigsten zu nennen. Im früheren "Ostblock" bestimmten durchweg politische Vorgaben und der Anspruch der dem Marxismus-Leninismus verpflichteten Historiker, das moralische und historische Recht auf ihrer Seite zu haben, die Optik auf die eigene Geschichte wie auf die des Gegenparts. Dem seit etwa 1985 zunächst zögernd und nur partiell sich abzeichnenden freieren, kritischeren Blick stand die Unzugänglichkeit der aufschlußreichsten Archive, voran in Moskau, entgegen. Westlichen Historikern wurde, von Ausnahmen abgesehen, in der Regel die Einsichtnahme auch solcher Dokumente verweigert, die eigenen Wissenschaftlern zugestanden wurden. Was da alles unter Verschluß gehalten wurde, noch wird und wieder wird, lassen die bisherigen Publikationen von Historikern aus Ost und West, die auf Dokumentenfunden nach der (Teil-)Öffnung von Archiven beruhen, zumindest ahnen. Das Interesse richtete sich freilich vor allem auf Interna der Komintern und ihrer Sektionen; der Bogen spannt sich von der Struktur (Apparat, Kader) über Mechanismen der Macht (Bolschewisierung, Stalinisierung) bis hin zu Terror und biographischen Daten. Es entstanden Dokumentationen, Editionen und monographische Literatur in Aufsatz- oder Buchform. Einblicke in Hintergründe und Motive von Kursänderungen, in persönliche, organisatorische und finanzielle Abhängigkeiten - z. B. von Stalin, vom Politbüro der KPdSU, von den Geheimdiensten -, in Entscheidungsprozesse und -befugnisse sowie in "Transmissionsriemen" gewähren inzwischen personenbezogene Quelleneditionen. Überwiegend von Historikern außerhalb des ehemaligen Ostblocks erarbeitet und veröffentlicht, übertreffen diese Ausgaben - naturgemäß - frühere Dokumentionen allein schon durch die Vermittlung von Interna. Dennoch machen sie die älteren Sammlungen für die Geschichtsschreibung nicht überflüssig. Die neuen Quellen und Publikationen haben allerdings auch gezeigt, daß zumindest in der Forschung, die nicht der marxistisch-leninistischen Doktrin verpflicht war, die allgemeine Bildformung über die Komintern und ihre Sektionen in den wesentlichen Zügen nicht der Revision bedarf. Neue Details bereichern und schärfen jedoch das Bild, erlauben Nuancierungen, Modifizierungen oder Vertiefungen früherer Fragestellungen und machen natürlich einzelne Richtigstellungen notwendig. [...] [...] Die Existenz der Komintern ist der Ausgangspunkt für die folgende, hauptsächlich auf Forschungsliteratur aufbauende Zwischenbilanz der Beziehungen dieser Internationale zu den sozialistischen Internationalen zwischen den Kriegen. Dieser Zeitraum umfaßt die Periode realer und vermeintlicher revolutionärer Situationen und Strömungen 1919 bis 1923, die von Bolschewisierung und Kampf gegen den "Sozialfaschismus" geprägte Zeit von 1924 bis 1933 und die Phase des Umbruchs 1934/1935. Sowohl Geradlinigkeit als auch Kursänderungen blieben unverständlich, würden sie nicht wenigstens andeutungsweise in den Rahmen der Entwicklungen innerhalb der Sowjetunion und in den Ländern der wichtigsten Sektionen sowie von Reaktionen auf seiten der Sozialisten gestellt. Der letzte Abschnitt dieser Zwischenbilanz erörtert Altes und Neues in den Beziehungen nach dem VII. Weltkongreß der Komintern 1935. Es wird sich zeigen, daß das Trauma vom August 1914, als die Mehrheit in der internationalen Sozialdemokratie sich an die Seite der jeweiligen zum Krieg entschlossenen nationalen Regierungen stellte, vortrefflich instrumentalisiert wurde. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 09.08.2004 |