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Auszug aus: IWK, Heft 2/2004, S. 150 - 202 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen]

Die "Freie demokratische Fraktion" in der Großberliner Rätebewegung

Linksliberalismus in der Revolution 1918/1919

Von Gerhard Engel

Hans-Joachim Bieber zitierte 1992 einen Satz von Helga Grebing zur Historiographie über die Revolution 1918/1919: "Über die Revolution ist inzwischen so viel ausgesagt worden, daß man beinahe nichts mehr über sie zu sagen hat." Und er widerlegte diesen Satz mit seiner groß angelegten Studie über das Bürgertum in dieser Revolution. In ihrem Mittelpunkt stehen die sich den Arbeiterräten entgegenstellenden Bürgerräte; mithin werden zwar bürgerliche Beteiligungen an den Arbeiter- und Soldatenräten und die Rätebildungen in Wirtschafts- und Berufsgruppen, besonders bei den Beamten und Angestellten, zwar mehr oder weniger vollständig aufgelistet, aber nicht zum eigentlichen Thema.

Auf das Vorhandensein bürgerlicher, zumeist liberaler Kräfte in den örtlichen Arbeiter- und Soldatenräten ist auch zuvor in übergreifenden und regionalen Studien häufig hingewiesen worden, ohne diese Tatsache einer spezielleren Analyse zu unterziehen und den Beziehungen der nichtproletarischen und nichtsozialistisch orientierten Gruppierungen zum Parteienwesen der Zeit nachzuspüren.

Andererseits enthält die Forschungsliteratur manchen Ansatz und noch mehr Mahnungen, diesen vernachlässigten Aspekt der Revolutionsgeschichtsschreibung ausführlicher aufzugreifen. [...]

Bereits die Zeitgenossen widmeten dem Phänomen der linksliberalen Räte kaum Aufmerksamkeit. [...]

Viele Dokumentationen und Untersuchungen zur Rätebewegung bekommen ihre linksliberale Komponente nicht in den Blick, weil sie die Rätebewegung ausschließlich als Angelegenheit der sozialistischen Arbeiterbewegung behandeln. [...]

Untersuchungen über soziale Schichten, die in besonderer Weise Träger der linksliberalen Aktivitäten in der Rätebewegung waren, stellen zumeist nicht die Frage nach parteipolitischen Orientierungen dieser Schichten bzw. fragen in der Regel nur nach deren Affinität zur Arbeiterbewegung. [...]

Nun wird auch das Folgende nicht die komplexe Lösung des Angemahnten bringen können und die Ansätze der Vergangenheit zur perfekten Darstellung führen. Allein die mögliche Dimension eines Aufsatzes setzt Grenzen. Es soll aber versucht werden, am Fallbeispiel Groß-Berlin die Entwicklung und das Wirken der nichtsozialistisch orientierten bzw. nicht den sozialistischen Parteien (MSPD, USPD, Spartakusbund bzw. KPD) angehörenden Räte in der Großberliner Rätebewegung nachzuzeichnen. Sie werden der Kürze halber als "linksliberal" bezeichnet.

Das Vorhaben erweist sich als möglich, nachdem die durch Presseberichte und ausgewählte Archivalien ergänzten Protokolle der Vollversammlungen der Großberliner Arbeiter- und Soldatenräte und ihres Vollzugsrates in einer dreiteiligen Edition vorliegen. So wollen die Notizen über die der DDP nahestehende "Freie Demokratische Fraktion" der Großberliner Rätebewegung als Beitrag zu der "wissenschaftlichen Feinanalyse [...] der in [...] der Berliner Räteedition angehäuften Quellen" verstanden sein, die, so ein Rezensent, noch ausstehe. [...]


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IWK-Redaktion E-Mail: info@iwk-online.de 22.06.2005