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Auszug aus: IWK, Heft 3/2004, S. 282 - 290 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen]

Jetzt lacht er über uns, der Anarchist und Prof. a. D. Johannes Agnoli

Von Gerhard Bauer

Ausgangspunkt der ganzen Veranstaltung bildet Johannes Agnoli in Person, so wie manche der hier zu Wort kommenden Kollegen und Zeitgenossinnen ihn gekannt haben und alle von ihm gelernt oder sich in ihrem Denken auf ihn bezogen haben. Zielpunkt aber sollen seine Antworten auf die Frage sein, was von seinem Denken nachleben könnte, oder umfassender: vom subversiven Denken überhaupt, zu dem er seine spezifischen Beiträge geleistet hat. Insbesondere geht es darum, wie es nachlebt, was es für die heutigen potentiellen politischen Akteure, auch die jüngsten, zu bedeuten hat und wie diese Bedeutung erhöht und verschärft werden könnte. Dazu ist eine spezifische Personalisierung des Politischen nötig, aber unerläßlich die Überwindung des personalistischen Ansatzes.

In diesem Konzept ist nun mir die Aufgabe zugefallen, gerade die Person Johannes Agnoli in ihrer Eigenart in Erinnerung zu rufen. Doch auch dieser Teil hat seine eigene Dialektik: Personen sträuben sich dagegen, sich mir nichts, dir nichts in Gedenkveranstaltungen vergegenwärtigen zu lassen. Freud äußert sich ausgesprochen skeptisch gegenüber dem biographischen Zugang zu einer fremden, zumal einer schon verstorbenen Person: "Wer Biograph wird, verpflichtet sich zur Lüge, Heuchelei, Schönfärberei und selbst zur Verhehlung seines Unverständnisses, denn die biographische Wahrheit ist nicht zu haben, und wenn man sie hätte, wäre sie nicht zu brauchen." Wenn wir diesem Einwand wenigstens durch Vorsicht Rechnung tragen wollen, müssen wir das, was immer wir als die "Wahrheit" von Agnolis Leben gelten lassen, mindestens so behandeln, daß wir es nur "haben", als hätten wir es nicht. Mit dem Gebrauch dieser Wahrheit müssen wir erst recht in dem Bewußtsein verfahren, daß Wahrheiten sich niemals einfach "brauchen" lassen. [...]


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IWK-Redaktion E-Mail: info@iwk-online.de 10.09.2005