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Auszug aus: IWK, Heft 3/2004, S. 321 - 337 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Arisches Kaiserreich oder JudenrepublikVon Carlo MierendorffNeu herausgegeben und mit Anmerkungen und Hinweisen zum traditionellen Quellsumpf des deutschen Antisemitismus zu Beginn der 1920er Jahre versehen von Richard AlbrechtVorbemerkungVorbemerkung Carlo Mierendorffs Broschüre erschien als Versuch einer offensiven und polemischen Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus 1922 im zentralen sozialdemokratischen Parteiverlag: der Berliner Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer (15 Seiten). Ein Exemplar befindet sich in der Bayrischen Staatsbibliothek München (Signatur: Jud. 168c) mit der offensichtlichen Falschdatierung auf dem Titelblatt 1930. Nach diesem Exemplar erfolgt hier die Wiederveröffentlichung. (Weitere Exemplare der Broschüre sind auch im Archiv der sozialen Demokratie [AdsD] der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn, der Deutschen Bücherei Leipzig [Signatur: 1922 A 11515] und möglicherweise in der Staatsbibliothek Berlin [Signatur: Ez 17657/3] vorhanden.) Dem Autor, Carlo Mierendorff, damals 25jähriger Doktorand an der Heidelberger Universität, ging es um eine kritische Auseinandersetzung mit aktuellen demagogischen Pamphleten antisemitischer Kräfte. Diese führte der Student Carlo Mierendorff auch praktisch gegen einen damals prominenten akademischen Antisemiten. Carlo Mierendorff arbeitete in der hier soweit ich weiß erstmals (mit kommentierenden Hinweisen in Form von Anmerkungen wiederveröffentlichten) Broschüre vor allem heraus, daß sich die politische Reaktion des deutsch-völkischen Blocks des Antisemitismus und der Judenfeindschaft bediente, um die junge Weimarer Demokratie und damit die demokratisch-republikanische Staatsform ideologisch zu diffamieren und massenwirksam zu bekämpfen. Dagegen forderte Carlo Mierendorff den Ausbau des Weimarer Staates zu einer demokratischen und sozialen Republik. Entsprechend betonte er - durchaus im traditionssozialdemokratischen Sinn, demzufolge Antisemitismus als "Sozialismus der dummen Kerls" gilt: "Nur in der Demokratie kann sich die Massenkraft der organisierten Arbeiterschaft wirtschaftlich und politisch frei entfalten und dadurch den Kapitalismus [ ] überwinden. Die Arbeiterklasse hat daher ein Lebensinteresse [ ] an [dem] planmäßigen Ausbau des deutschen Staates zu einer sozialen, demokratischen Republik." Carlo Mierendorffs Broschüre läßt sich als Versuch positiver Begründung republikanischer Politik, die immer eine Zurückweisung des Antisemitismus meint, lesen - auch wenn der Text heute politisch nicht mehr aktuell sein kann, sondern als historischer Beitrag eines sozialdemokratischen Intellektuellen zu lesen ist. Über die konkrete Entstehungsgeschichte von Carlo Mierendorffs Broschüre ist erstaunlich wenig bekannt: Sie wurde im Zusammenhang mit eingehenden bibliographischen Forschungen zur Biographie, die zunächst als "bio-biobliograpische Studie" geplant war, ermittelt und kopiert. Dabei blieb ungeklärt, warum diese Broschüre, die doch im zentralen sozialdemokratischen Parteiverlag erschien, innerhalb der SPD damals so wenig aufgenommen wurde - gerade so, als wäre sie wohl gedruckt, aber kaum verbreitet worden. Im lebens- und werkgeschichtlichen Zusammenhang des Autors steht der Text "Arisches Kaiserreich oder Judenrepublik" zwischen Carlo Mierendorffs vorwiegend ideenpolitisch-literarischer Publizistik (etwa im und ums "'Tribunal' gegen die Vertreter des Alten, Morschen, Überlebten [ ], gegen die Mucker, Spießer und Kriegstreiber") und seinen späteren, durch Max-Weber-Porträt (1920) und Dissertation zur "Wirtschaftspolitik der KPD" (1922) vorbereiteten, zahlreichen (fach)politischen Veröffentlichungen. Als ironische Marginalie zur dreißig Jahre "verspäteten" Wirkungsgeschichte der Broschüre Carlo Mierendorffs kann noch abschließend annotiert werden, daß sich diese vom Ministerium für Volksbildung der Deutschen Demokratischen Republik im dritten Nachtrag der "Liste der auszusondernden Literatur" unter dem Buchstaben M als Nummer 3339 verzeichnet findet. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 10.09.2005 |