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Auszug aus: IWK, Heft 4/2004, S. 465 - 487 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Wolfgang Abendroth - 2. Mai 1906 bis 15. September 1985Ein intellektuelles PorträtVon Richard Albrecht[...] Da bisher - und gelegentlich auch mit voyeuristischem Unterton - Abendroths verschiedene Lebensstationen ausreichend biographisch vermessen wurden, wird in diesem intellektuellen Porträt methodisch anders verfahren: Hier geht es um Abendroth-Texte. Dies durchaus im Wissen um Abendroths politische Zentralerfahrung, nämlich die Niederlage der gesamten deutschen Arbeiterbewegung 1933 und seinen seitdem beharrlichen Versuch, ihre beiden Hauptflügel, den jeweils im Selbstverständnis reformistischen (SPD) und den revolutionären (KPD), durch aktive, zwischen beiden vermittelnde Zwischengruppen mit intellektuellen Protagonisten zur wie auch immer begrenzten und/oder punktuellen Zusammenarbeit ("Aktionseinheit") zusammenzuführen und dazu vor allem mittlere Funktionärsgruppen in (Einzel-)Gewerkschaften, z. B. Metall, Holz und Druck, anzusprechen und zu mobilisieren. Es ist dies der biographische Hintergrund Abendroths als handelnder Person, deren Integrität wesentlich auf der Einlösung seines eigenen personalen Anspruchs, theoretische ("akademische") Erkenntnis und praktische ("proletarische") Erfahrung zu vermitteln, um so den in der Tat so grundlegenden wie unauflöslichen Widerspruch sowohl (in) der Organisations- als auch der Intellektuellenfrage als Ausdruck des klein zu haltenden Spannungsverhältnisses von subjektiver Menschlichkeit und objektiven Menschheitsinteressen begegnen zu können. Im nächsten Hauptabschnitt [...] interessiert einmal Abendroths unmittelbar nach dem KPD-Verbot 1956 veröffentlichte Kritik des Verbotsurteils und seiner Konsequenzen. Und zum anderen Abendroths eigener "alternativer" Programmentwurf zum offiziellen Godesberger Programm der SPD, nämlich einer weniger den (seit Robert Michels bekannten) Oligarchisierungstendenzen ausgesetzten, stärker marxistisch orientierten SPD 1959. Im darauf folgenden Hauptabschnitt interessiert dann einmal zunächst die "Zeitdiagnose" (Karl Mannheim) und "Ortsbestimmung" (Helmut Schelsky) einer ideologiekritisch-gesamtgesellschaftlichen Analyse des politischen Wissenschaftlers Abendroth und seines Verständnisses von Politikwissenschaft als, so Abendroth 1967, bewußt praxisbezogener politischer Soziologie und zum anderen seine 1979 veröffentlichte "Alten"-Bilanz, die sich auch als subjektbezogener Rückblick aufs eigene dreißigjährige Engagement in der Bundesrepublik Deutschland seit ihrer 1949 erfolgten Gründung lesen läßt. [...] Daß auch diese Auswahl wie überhaupt eine jede Selektion andere, keineswegs unwesentliche Seiten, Aspekte und Texte Wolfgang Abendroths ausblendet, ist so augenscheinlich wie unbestritten: vor allem Abendroths an Hermann Heller (1930) angelehnte besondere und wirksame Interpretation vom Staatscharakter der Bundesrepublik Deutschland als "demokratischer und sozialer Rechtsstaat" geht über die Ambivalenzthese hinaus und hält Entwicklungspfade zur „sozialistischen Demokratie“ offen. Insofern drückt auch Abendroths zuerst 1954 veröffentlichter Beitrag aus, was ihn seit seinem Eintritt in die organisierte Arbeiterbewegung in Deutschland zu Beginn der zwanziger Jahre bewegte und was der sozialdemokratische Intellektuelle Carlo Mierendorff zuerst 1922 und, solange das noch möglich war, beständig bis Anfang 1933 als Interesse der Arbeiterklasse an einer "sozialen, demokratischen Republik" so ausdrückte: "Nur in der Demokratie kann sich die Massenkraft der organisierten Arbeiterschaft wirtschaftlich und politisch frei entfalten und dadurch den Kapitalismus [...] überwinden. Die Arbeiterklasse hat daher ein Lebensinteresse [...] an dem planmäßigen Ausbau des deutschen Staates zu einer sozialen, demokratischen Republik." [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 21.11.2005 |