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4/2004
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aus: IWK, Heft 4/2004, S. 421 f. [Heft bestellen] EditorialDie "Visitenkarte des DGB" (Walter Fabian) gibt es nicht mehr. Unter der bramarbasierenden Überschrift "Einen neuen Schritt wagen!" teilte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, der überraschten Leserschaft der "Gewerkschaftlichen Monatshefte" (GMH) lakonisch deren "Heimrufung" mit: "Wer Neues wagt, muss sich auch von Altem verabschieden können. Ein solcher Abschied steht an. Die Ausgabe 11 - 12/2004 im 55. Jahrgang wird die letzte Ausgabe der Gewerkschaftlichen Monatshefte sein. Der Herausgeber, der DGB-Bundesvorstand, hat diese Entscheidung getroffen, weil Neues gewagt werden soll." Und larmoyant-nichtssagend geht es weiter. "All zu viele Publikationen haben ihr Erscheinen ersatzlos einstellen müssen. Der DGB als Stimme für Arbeit und Gerechtigkeit weiß, dass er auch in der politischen Publizistik ein eigenes Organ benötigt. Der Abschied von den Gewerkschaftlichen Monatsheften ist deshalb nur der Abschied von der Vorstellung, Akzeptanzproblemen mit einem bloßen modischen Relaunch entgehen zu können. Wir wagen etwas Neues. Wir brauchen dafür alle, die mit dem Alten noch oder nicht mehr zufrieden waren. Wir sammeln Anregungen, Erfahrungen, um uns rasch mit einem neuen Produkt zurückzumelden. [...] Geben Sie dem Neuen eine Chance!" Die GMH aus finanziellen Gründen versenkt. Lächerlich. Zwei "verrückte" Antiquare lancieren ein "Fachblatt für linke Bibliomanie" (mehr darüber im Besprechungsteil), und der DGB beraubt sich ohne Not eines Scharniers zwischen politischen Intellektuellen und einem gewerkschaftlichen Organisationszusammenhang. Das verstehe, wer kann. Tempi passati. Oder um mit Eugene O'Neill zu reden: "Das Schlimmste ist am besten, der Osten liegt im Westen, und morgen ist gestern." Vom FDGB lernen heißt siegen lernen. Hier könnte man getrost zur Tagesordnung eines partikularen Versicherungsvereins übergehen, wäre damit nicht auch ein Abschied von der Zukunft verbunden. Hans Otto Hemmer, GMH-Chefredakteur, der nach einer knappen Würdigung der Lebensleistung des Verstorbenen den Arzt am Siechenlager kritisiert, betont zutreffend, "dass die Gewerkschaftlichen Monatshefte Zukunft (verdient gehabt) hätten. Über den Abschied von ihnen, der auch ein Abschied von einem Stück Gewerkschaftsgeschichte, einem Stück geistigen Deutschlands ist, liegen für mich mehr Wehmut und Bitterkeit als Hoffnung und Optimismus." Und das trauernde Publikum schluchzt und konterkariert den Hauptredner in 27 (!) Beiträgen. Helga Grebing beispielsweise donnert: "Eigentlich bin ich sprachlos - das letzte Heft der Gewerkschaftlichen Monatshefte! Aber Schweigen würde die Entscheidungsträger vermuten lassen können, man befinde sich in Übereinstimmung mit ihnen." Und Wolf-Dieter Narr sekundiert, daß "es nicht weniger, sondern mehr GMH [brauche]. Eine GMH, die wahrhaftig gewerkschaftsnah über die Distanz verfügte, nicht den unmittelbaren Interessen der Gewerkschaftsführungen zu dienen. Eine GMH, die dauernd ärgerte, weil sie die herrschende Wirklichkeit nicht neoliberal, sondern menschenrechtsmaterial und radikaldemokratisch beim wahren Namen nennte. Und zugleich alternative Wege vordenkt." Der Hirnfrost der Ideologie der Einschaltquote hat die präsidialen Residenzen des DGB erreicht, und das in einer Zeit, wo es um die notwendige Kampagnenfähigkeit der Gewerkschaften schlecht bestellt ist. Die IWK selbst hat nicht nur eine neue Telefonnummer (+49 30 263923812), sondern auch eine neue Internetpräsenz: www.iwk-online.de. Per E-Mail erreichen Sie die Redaktion unter info@iwk-online.de und den Vertrieb unter vertrieb@iwk-online.de. Bislang trug uns ja Hans Theissen huckepack auf seiner Webseite; er entwarf und betreute die unsrige nicht nur, er wirkte und wirkt außerdem als "stilles", nichtsdestoweniger hart arbeitendes Redaktions"mitglied". Jedenfalls ist ihm die Redaktion für nicht wenig Hilfe jetzt und in den zurückliegenden Jahren verbunden. Ihm sei an dieser Stelle daher ganz besonders gedankt. Das vorliegende Heft beginnt mit einem längeren Aufsatz Siegfried Grundmanns über "Richard Großkopf und die kommunistische Paßfälscherorganisation". Richard Albrecht stellt ein intellektuelles Porträt Wolfgang Abendroths anhand ausgewählter politischer Texte vor. Manfred Warnecke informiert über die in der hiesigen Historiographie so eigentümlich unbeachtete Rettungsaktion des Schwedischen Roten Kreuzes in den letzten Kriegstagen, die "Weißen Busse". An Frank Dingel, der dem Unternehmen IWK nicht nur als Autor, sondern auch sehr persönlich nahestand, erinnert Reinhard Rürup. Frank Dingels zu früh vollendete Biographie steht gewissermaßen auch prototypisch für eine Generation, die wir gemeinhin mit der Chiffre "68er" zu umschreiben suchen. Wie souverän, historisch kenntnisreich und auch polemisch scharf Frank Dingel formulieren konnte, das zeigt gleichsam als Beleg sein Beitrag aus dem Jahr 1994 zur Umbenennung von Berliner Straßen. Ein Tagungsbericht und Besprechungen neuer Literatur beschließen das letzte Heft des Jahrgangs 2004.
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| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 21.11.2005 |