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Auszug aus: IWK, Heft 4/2004, S. 423 - 464 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Richard Großkopf und die kommunistische PaßfälscherorganisationVon Siegfried GrundmannDie kommunistische Paßfälscherorganisation war unter den illegalen Apparaten der KPD während der Weimarer Republik der umfangreichste, am besten organisierte und effektivste überhaupt. Freunde und Feinde, damals und in sp äterer Zeit, haben dies anerkannt. Selbst die Gestapo war von der Perfektion der dort geleisteten Arbeit fasziniert. Rudolf Diels, erster Chef der Gestapo, schrieb: "Paßfälscherwerkstätten, die mit einer technischen Gewandtheit arbeiteten, die ich noch bei keinem Schnellzeichner im Varieté beobachtet hatte, wurden nach einer unbeschreiblich langwierigen Methode der Überwachung endlich ermittelt. [...] Ich habe solche Paßfälscher bei ihrer Arbeit, die einem Laien wie Zauberkunststücke anmutet, beobachten können. [...] Man kann behaupten, daß es eine ähnliche, mit den technischen und auch finanziellen Mitteln ausgerüstete Paßfälscherwerkstatt, wie sie die zuletzt erfaßte darstellte, kaum wieder gegeben hat." Beinahe enthusiastisch äußerte der US-amerikanische Geheimdienstmann und Buchautor David Dallin: "Die Berliner Werkstätten für die Fälschung von Pässen und Ausweispapieren stehen in der Geschichte ohne Beispiel da. Weder die Spionagezentralen der verschiedenen kriegführenden Mächte noch die vorrevolutionäre Untergrundorganisation Rußlands, die sich in ihrer jahrzehntelangen Geschichte beträchtliche Kenntnisse auf diesem Gebiete angeeignet hatte, konnten sich mit der Berliner Paßzentrale vergleichen, die sich bei der Herstellung von Pässen, Bescheinigungen und anderen Dokumenten als ein Wunder an Geschick, Präzision und Phantasie erwies." Richard Großkopf war bis zu seiner Verhaftung am 3. Mai 1933 die längste Zeit der Leiter dieser Organisation. Seine Biographie ist derart eng mit ihr verbunden, daß man versucht ist zu sagen: Richard Großkopf war die Verkörperung der Paßfälscherorganisation. Trotzdem war Großkopf bisher kein Thema von Publikationen - von der MfS-internen Biographie "Im Kampf bewährt. Erinnerungen an Richard Großkopf" einmal abgesehen. Das gilt weitgehend auch für den von ihm geleiteten Apparat. Das etwa 1400 Biographien enthaltende "Biographische Handbuch deutscher Kommunisten" nennt Großkopf nicht. Selbst im Apparat der SED, sogar im Ministerium für Staatssicherheit (MfS), wurde das Thema, also auch die Rolle Richard Großkopfs, lange Zeit tabuisiert, allenfalls konspirativ umschrieben. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 21.11.2005 |