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Auszug aus: IWK, Heft 1-2/2005, S. 5 - 66 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen]

Johann Most

Von Heiner M. Becker

Johann Most ist eine in vieler Hinsicht faszinierende Erscheinung; und fasziniert oder skandalisiert - mitunter unabhängig vom politischem Standpunkt - hat er seit seinem Erscheinen auf der politischen Bühne vor einem größeren Publikum im Jahre 1869 auch seine Zeitgenossen. Nicht zuletzt sein Umgang mit der Sprache machte ihn schon zu seiner Zeit so außerordentlich populär und läßt ihn auch heute noch besonders interessant erscheinen. Seiner Sprache und Ausdruckskraft wegen verglichen ihn seine Zeitgenossen mit Johann Fischart, und sie ließ Dieter Kühn bedauern: "So manches dicke Buch wünscht man sich kürzer, vor allem manche Biographie und Autobiographie. Bei Johann Most aber wünscht man sich die knappen Memoiren ausgedehnt auf die drei Jahrzehnte seiner erzwungenen Emigration." Sein Sprach- und Ausdruckstalent katapultierte ihn 1869 in Wien in wenigen Wochen in die erste Reihe der Arbeiterbewegung und machte ihn in der Folge nicht nur zu dem Agitator der deutschen Arbeiterbewegung, sondern auch - nach Österreich - in Teilen Bayerns, in Chemnitz, der Rhein-Main-Gegend und vor allem in Berlin zu ihrem bei den Arbeitern populärsten Vertreter; gerade er gewann beim "Fußvolk" eine Zuneigung, der - wenn überhaupt - unter seinen Zeitgenossen höchstens die für den späteren Bebel gleichkam. Aber eben dies war letztlich wohl auch der Grund, warum er in ganz besonderem Maße von Regierung, Justiz und Polizei (und ab 1879 auch der "Parteiführung" der Sozialdemokratie im Reich) ausgesondert und verfolgt wurde. Er war der Lautsprecher der Bewegung, derjenige, der die Werbetrommel in einer der Werbung entschieden weniger aufgeschlossenen Zeit am auffallendsten und am wirksamsten rührte, und war jedenfalls nach Auffassung der Vertreter des herrschenden Systems derjenige, der in vielen Umgebungen die Lawine lostrat, die dann Arbeiterbewegung wurde. [...]


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21.06.2006