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Auszug aus: IWK, Heft 1-2/2005, S. 179 - 254 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen]

Most-Dokumente

Bearbeitet und eingeleitet von Heiner M. Becker und Andreas G. Graf

Einleitung

[...] In der Nachfolge Franz Mehrings und Eduard Bernsteins wird bei der schon lange die Regel gewordenen Be- und Verurteilung Mosts und der "Freiheit" mit bemerkenswerter Nonchalance u. a. übersehen, daß nicht Most der Gründer der "Freiheit" war, sondern der Communistische Arbeiter-Bildungs-Verein; daß dieser schon fast ein Jahr vor dem Erscheinen der ersten Nummer der "Freiheit" zum ersten Mal die Veröffentlichung einer Zeitung ankündigte; daß dies von den Agierenden sicherlich nicht als der Parteipolitik zuwiderlaufend empfunden werden konnte, da zeitweise etwa selbst Wilhelm Liebknecht die Gründung einer solchen Publikation für unvermeidlich hielt, daß Most, wie nicht nur er anmerkte, diese Zeitung des CABV in guter sozialdemokratischer Tradition begann und fortführte; daß, wie Most und andere sogenannte Dissidenten selten vermieden zu unterstreichen, es keinen Parteivorstand mehr gab, usw. usf. [...]

Die ansonsten 1879 vor der Gründung des "Sozialdemokraten" in der "Freiheit" publizierten grundsätzlichen und zum Teil nicht von Most verfaßten Artikel sollen zur Dokumentation hier folgen, angefangen von den Ton und Position der Zeitung zuerst bestimmenden aus der ersten Nummer ("An die Leser", "Die Freiheit ist todt! - es lebe die Freiheit!", "An die Genossen in Deutschland") und den in den ersten zwei Monaten veröffentlichten Programmartikeln ("Das Programm der deutschen Socialdemokratie", "Die Grundgedanken des Sozialismus", "Unsere politischen Forderungen", "Sociale Reformen"), wie auch die dann die Auseinandersetzung vor allem eskalierende "Denkschrift" mit den wichtigsten in der "Freiheit" publizierten Reaktionen ("Denkschrift an die deutschen Socialisten" mit Motivierung des CABV, Erklärungen Brüssel, Genf, Paris, Leipzig, Bern, Berlin, Erzgebirge etc.; "Schlusswort in Sachen der 'Taktik'"; wie auch dann "Auch eine Denkschrift" zum notorischen Dreisterneartikel).

Neben der "Denkschrift" waren es vor allem die Artikel, in denen er nach den Worten Edouard Vaillants "maliziös die alten Auffassungen Liebknechts etc. zitiert", die die Atmosphäre anheizten und die daher mit einigen Beispielen dokumentiert werden sollen ("Ist die Socialdemocratie eine Revolutionspartei?"; "Die Socialdemocratie und der Parlamentarismus"; "Grabet die Streitäxte aus!"), und die Publikation etwa des durchaus problematischen "Scotsman"-Interviews Bebels und Liebknechts, das zwar ganz korrekt die dann letztendlich eingeschlagene Politik beschrieb, was aber natürlich aus Gründen der "Taktik" (gegenüber der "Basis"!) nicht öffentlich zugegeben werden durfte.

Nicht fehlen darf schließlich auch Mosts zuerst im Chicagoer "Vorboten" publizierter Artikel "Die 'neue' und die 'alte' Partei", der im wesentlichen wie der von Lev Hartmann übersetzte Artikel Mosts über "Die deutsche Sozialdemokratie" in "Cernyi Peredel" argumentiert.

Schließlich werden auch noch solche Artikel wie der häufig gegen Most vorgebrachte "Attentats-Humbug und kein Ende", "Revolutions-Angstmichel", "Spionriecherei" berücksichtig und auch etwa zu Franz Mehring die "Maulschellen" und der "Offene Brief", die verständlich machen, warum Mehring in seiner "Geschichte der deutschen Sozialdemokratie" auch persönliche Gründe hatte, so wenig "objektiv" gegenüber Most zu argumentieren. [...]


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21.06.2006