IWK > Inhalt > Heft 3/2005 > Amenda
![]() |
Auszug aus: IWK, Heft 3/2005, S. 329 - 346 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Kostenlose VölkerschauAsiatische und afrikanische Seeleute als "exotische" Attraktionen des Hamburger Hafens 1900 - 1930Von Lars Amenda[...] Das wilhelminische Deutschland hatte zahlreiche Berührungspunkte mit der übrigen Welt, nicht nur aufgrund seiner überseeischen Kolonien. Unter dem Stichwort der "transnationalen Geschichte" werden die Verflechtungen und Grenzüberschreitungen seit kurzem vermehrt in der deutschen Geschichtswissenschaft diskutiert. Ein spezifischer urbaner Ort dieser Kontakte, der im deutschen Staatsgebiet lag, ist in der Debatte bislang kaum berücksichtigt worden und steht im Zentrum dieses Artikels - die Hafenstadt. Hafenstädte waren bereits viele Jahrhunderte vor dem "Zeitalter des Imperialismus" Kontaktzonen für Menschen aus anderen, teilweise weit entfernten Regionen. Hafenstädte waren Umschlagsplätze, an denen Waren ausgetauscht wurden und Fremde sich vorübergehend aufhielten. In der neueren Geschichte lassen sich die globalen Berührungspunkte am spezifischen urbanen Raum der Hafenstadt deutlich ablesen. Der sukzessive Übergang von der Segel- zur Dampfschiffahrt beschleunigte und verbilligte das Reisen und förderte Migrationen wie beispielsweise von Europa in die Vereinigten Staaten von Amerika. Mobilität und interkulturelle Kontakte waren wiederum essentiell für massenmediale Repräsentationen der Hafenstadt im 20. Jahrhundert und trugen maßgeblich zur pejorativen Konnotation bei. Zwischen Völkerschauen, die im wilhelminischen Deutschland eng mit dem Namen Hagenbeck verbunden waren, und der spezifischen urbanen Kultur der Hafenstadt gab es im übrigen durchaus einen Zusammenhang. Carl Hagenbeck (1848 - 1913) wuchs als Kind eines Fischhändlers, der seit Carls Geburtsjahr auch einen Tierhandel betrieb, in Hamburg-St. Pauli auf und schildert in seiner Autobiographie den Kontakt zu Seeleuten und Fremden als eine entscheidende Prägung für seine spätere berufliche Tätigkeit. In diesem Artikel möchte ich anhand des Beispiels nichteuropäischer Seeleute im Hamburger Hafen und in den maritim geprägten Bezirken der Hansestadt während des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts einen Aspekt von Verflechtungen Deutschlands mit der übrigen Welt untersuchen. "Farbige Seeleute" waren auch wie die Protagonisten von Völkerschauen ambivalente Attraktionen für die städtische Gesellschaft; wegen ihrer Freizeitgestaltungen während der Landgänge wurden sie jedoch ungleich mehr als Akteure und deshalb teilweise auch als Gefahr angesehen. Der Hamburger Hafen als Untersuchungsort bietet sich an, da er der größte deutsche Hafen war und ihn demzufolge viele ausländische Seeleute frequentierten. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 14.09.2006 |