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Auszug aus: IWK, Heft 4/2005, S. 487 - 495 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Alexander Schwab (1887 - 1943)Architekturtheoretiker, politischer Pädagoge, Rätekommunist, Schriftsteller und WiderstandskämpferVon Diethart KerbsEs gibt einen Typus des Intellektuellen in der deutschen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, der auf doppelte Weise verschwunden ist. Zum einen dadurch, daß sein Leben - oft unbemerkt - zu einer Zeit im Zuchthaus, im KZ oder im Exil endete, als gleichzeitig Tausende, ja Millionen von Menschen im Krieg umkamen. Zum anderen dadurch, daß auch später kaum jemand seiner zu erinnern sich bemühte, wahrscheinlich weil sich niemand für diese Erinnerungsarbeit zuständig fühlte. Peter Weiss hat in seinem dreibändigen Romanwerk "Die Ästhetik des Widerstands" für eine Teilgruppe dieses Typus die Arbeit der literarischen Vergegenwärtigung geleistet: für die Widerstandsgruppe um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen. Andere Gruppen, Kreise oder Einzelne blitzen gelegentlich wie Sternschnuppen in der Erinnerungsliteratur zum zwanzigsten Jahrhundert auf, dessen Horizont um so dunkler zu werden scheint, je mehr von den heute Lebenden sich aus ihm entfernen - und je mehr sich diejenigen von uns verabschieden, deren Erfahrungen noch bis ins erste Drittel dieses Jahrhunderts zurückreichen. Einer von denen, die es wohl wert wären, daß man sich ihrer nachhaltig erinnerte, ist Alexander Schwab, promovierter Volkswirt, selbstberufenener Pädagoge, Rätekommunist, Wirtschaftsjournalist, Architekturtheoretiker und Schriftsteller. Ein Mensch, der sein Leben nicht nach den Regeln der bürgerlichen Arbeitsteilung organisiert hatte und für den deshalb auch keine der Disziplinen des akademischen Wissenschaftsbetriebs so richtig zuständig ist. Ein Linkskommunist aus der nahen Umgebung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg (und deshalb den Torhütern der sozialdemokratischen Traditionspflege suspekt), der es gewagt hatte, dem großen Lenin zu widersprechen (und deshalb für alle linientreuen Parteikommunisten noch heute ein Skandalfall und eine Unperson ist), - so jemand gehört in Deutschland dem doppelt gefährdeten Personenkreis an, der nicht nur physisch ausgelöscht wurde, sondern auch stets in Gefahr ist, daß die Erinnerung an ihn getilgt wird. Nur in vereinzelten Untersuchungen von Außenseiterhistorikern und in den Erinnerungen einiger weniger unabhängiger Geister scheint ein Gedenken an diese Menschen auf. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 01.12.2006 |