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Auszug aus: IWK, Heft 4/2005, S. 508 - 517 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Methodisch-konzeptionelle Schwierigkeiten mit Gewerkschafter(innen)biographienVon Peter Rütters[...] Man wird Klaus Kempters Einschätzung zustimmen können, daß "die Gewerkschaftselite, besonders die bundesrepublikanische, [...] in der Literatur sozusagen 'gesichtslos' geblieben oder hinter den Karikaturen des 'Bonzen' und des 'Bürokraten' verschwunden" sei. Gründe für dieses Defizit sind zum einen in der Ausrichtung der historischen und zeitgeschichtlichen Forschung zu suchen. Seit den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als die historische Gewerkschaftsforschung Konjunktur hatte, standen bei überwiegend sozialwissenschaftlich arbeitenden Historikern Strukturen und Prozesse im Vordergrund. Akteure, handelnde Personen waren in diese bestenfalls einzuordnen. In Abwehr einer neohistoristischen Betrachtungsweise wurde ihnen nur selten eine eigenständige Biographie zugestanden. Für viele ältere Historiker schienen, wie Gerhard Beier hervorhob, Gewerkschaftsführer, da sie aus "einfachen Verhältnissen" stammten, als zu unbedeutend und persönlich zu uninteressant, um ihnen eine Monographie zu widmen. Bestärkt wurden solche Annahmen dadurch, daß selbst gewerkschaftszugewandte Politikwissenschaftler wie Peter von Oertzen "mit Blick auf" sein "gewerkschaftliches Wirken" nur Otto Brenner zu der "kleinen Zahl der wirklich bedeutenden Persönlichkeiten der jüngeren deutschen Geschichte" zählte. Gründe für das Defizit an Gewerkschafterbiographien sind zum anderen in der schwierigen Quellenlage zu sehen. "Ein proletarisches Leben", bemerkte Ulrich Borsdorf, "hinterläßt weniger Zeugnisse als ein bürgerliches." Fast bis in die Gegenwart hinein stammen die meisten Gewerkschaftsführer aus der Arbeiterschaft, einem als bildungsfern bezeichneten Milieu. "Die den Arbeitern vorenthaltene, fehlende Bildung schlägt sich nieder im Mangel an dem, was ein Historiker biographisch nutzen könnte: Briefwechsel, Tagebücher, Reden, Schriften." Der Mangel an Schriftlichkeit entspricht einer fehlenden Selbstreflexion; zumindest hat diese nur selten die Schriftform erreicht und sich in Tagebüchern und einer ausführlichen privaten Korrespondenz niedergeschlagen, die Berufliches und auch Privates umfaßt. Auch scheinen autobiographische Ambitionen dadurch gehemmt zu werden, daß ein "Defizit an sprachlicher Ausdruckskraft und literarischer Bildung" empfunden wird. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 01.12.2006 |