IWK >
Inhalt >
Heft 4/2006 > Editorial
IWK >
Editorials > Heft 4/2006
![]() |
aus: IWK, Heft 4/2006, S. 425 - 426 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Wunder gibt es immer wiederAnkündigung eines WechselsVon Andreas GrafVor zwölf Jahren, 1996, zeigte Henryk Skrzypczak an dieser Stelle "den Wechsel einer Adresse" an. Das Impressum wies von da an das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin als institutionellen Träger der Zeitschrift aus. Dieses Heft ist nun das letzte, das in der Obhut der Freien Universität erscheint. Doch damit stellt die IWK ihr Erscheinen beileibe nicht ein. Sie läuft nicht in einer Endmoräne aus. Wunder gibt es eben immer wieder. Mit dem nächsten Heft, der Nummer 1/2007, wird die Zeitschrift vom Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam patronisiert werden. Und das ist gewissermaßen die weltliche Form des Wunders. Die Sache tangiert es nicht, es ändert sich bloß der Rahmenzusammenhang. In das Verdienst, die Realisierung dieses Lösungswegs ermöglicht zu haben, teilen sich viele, einige besonders - denen werden wir im nächsten Editorial ein Denkmal setzen. Pacta sunt servanda. Im vorliegenden Heft diskutiert Markus Raasch am Beispiel der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Großbritannien (LdG) die Handlungsspielräume des deutschen Exils während des Zweiten Weltkrieges, indem er nach der politischen Handlungsfähigkeit fragt. In der Tat nahm die LdG eine Ausnahmerolle im Spektrum der deutschen Exilorganisationen ein, da ihr als einziger Emigrantenvereinigung in Großbritannien Anhänger sozialistischer, christlicher, liberaler und seit Anfang 1942 auch kommunistischer Parteien und Gruppen angehörten. Raaschs methodischer Zugriff verharrt nicht auf der klassischen organisationsgeschichtlichen Ebene, sondern erweitert sie um sozial- und, wenn möglich, alltagshistorische Perspektiven. Tilmann Siebeneichner konkretisiert die "Moralität der Gewalt", der Sorel in seiner Mythenlehre das Wort redet, im Hinblick auf eine kulturgeschichtliche Perspektive der kommunistischen "Kampfzeit". Dabei geht er vor allem der Frage nach, welche Wirkungsmächtigkeit der "Mythos der Gewalt" im Rahmen der Krise der Repäsentationen in der unmittelbaren Nachkriegszeit entfaltete. Lars Amenda analysiert die Geschichte einer Denunziation des Deutschmalaien Franz Müller im nationalsozialistischen Hamburg und illustriert daran pars pro toto, wie der alltägliche und der staatliche Rassismus ineinandergriffen. Aus den Akten der politischen Polizei referiert Ottokar Luban zwei bislang unveröffentlichter Reden Rosa Luxemburgs vom Sommer 1913 zum Thema des "Massenstreiks". Sie zeigen sie zum einen als polemische Rednerin und Publizistin und zum anderen als kluge Agitatorin, die ihr jeweiliges Publikum wirkungsvoll zu adressieren wußte. Literaturkritische Miszellen - Ilko-Sascha Kowalczuk über Konrad H. Jarauschs "Umkehr" mit prinzipiellen Anmerkungen zur Zeitgeschichtsforschung und Andreas Knobloch über eine Chávez-Biographie - und Rezensionen beschließen das Heft. Berlin, im April 2008 |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 30.05.2008 |