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Auszug aus: IWK, Heft 4/2006, S. 468 - 488 (ohne Anmerkungen) [Heft bestellen] Die Wirkungsmächtigkeit der GewaltZu Georges Sorels "Mythos der Gewalt" in der politischen Kultur der frühen Weimarer RepublikVon Tilmann Siebeneichner, Göttingen[...] Die "Moralität der Gewalt", der Sorel in seiner Mythenlehre das Wort redete, [...] im Hinblick auf eine kulturgeschichtliche Perspektive der kommunistischen "Kampfzeit" zu konkretisieren, unternimmt dieser Beitrag. Dabei soll es weniger um den Einfluß Sorels auf die "freischwebende Intelligenz" (Karl Mannheim) gehen, als vielmehr der Frage nachgegangen werden, welche Wirkungsmächtigkeit dem "Mythos der Gewalt" im Rahmen der Krise der Repräsentationen in der unmittelbaren Nachkriegszeit zukam. Charakteristisch für jene Zeit, in der "fast alle menschlichen Dinge [...] furchtbar ungewiß" schienen, war eine "Herrschaft des Schlagwortes", konstatierte bereits der eingangs zitierte Geyer. Vage Begriffe wie "Leben", "Tod" und "Entscheidung" schöpften ihre geradezu magische Kraft aus der "evokativen Macht der Sprache" und wurden zu "Sprengstoff" im wahrsten Sinne des Wortes. So Geyer: "Kampf und Gefecht und Tod wurden aus agitatorischen Redewendungen zu Realitäten. Der Gebrauch der militärischen Ausdrucksweise nach dem Krieg wurde zu einem Mittel, das die durch den Krieg gewaltig verstärkten kriegerischen Instinkte der Massen auf die politischen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien übertrug. Die Wirkung dieser Terminologie veränderte sich. Sie erzeugte nicht mehr allgemeine politische Begeisterung, sondern wirkliche kriegerische Begeisterung. Sie gebrauchen, hieß offen appellieren an die Gewalt." Anhand kommunistischer Periodika - der "Roten Fahne", des offiziellen Organs der KPD, und des "Klassenkampfes", der Zeitung der kommunistischen Bezirksorganisation Halle-Merseburg - wird im folgenden die von der Partei entfaltete Beschwörung des Sorelschen Gewaltmythos im Hinblick auf die sogenannte Märzaktion, den gescheiterten Aufstandsversuch der KPD in Mitteldeutschland im März 1921, der gewissermaßen den Höhepunkt der kommunistischen "Kampfzeit" darstellte, rekonstruiert und durch seinen historischen Verlauf konterkariert. Die "Märzaktion" eignet sich hierfür insofern besonders, als daß sie nicht nur den Kristallisationspunkt der kommunistischen "Kampfzeit" darstellt, sondern auch intensiv erforscht ist. [...] |
| IWK-Redaktion | E-Mail: info@iwk-online.de | 30.05.2008 |